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Was ist eine eigentlich eine Partnerklasse?
Wir sind zwei erste Klassen mit acht Kindern mit geistigem Förderbedarf aus der Merianschule und siebzehn Kindern aus der Friedrich-Hegel-Grundschule. Wir lernen gemeinsam im Heimat- und Sachunterricht, in Sport, Musik und Kunst oder in offenen Unterrichtsformen, wie Wochenplanarbeit sowie Lernwerkstätten. In Deutsch und Mathematik trennen wir uns, weil da die Lerngruppen unterschiedliche Bedürfnisse haben. Unsere zwei Klassenzimmer liegen nebeneinander und sind mit einer Tür miteinander verbunden, so dass ein reibungsloses Miteinander gewährleistet wird.
Feste und Feiern oder Ausflüge, sowie Elternabende sind Gemeinschaftserlebnisse.
Wenn jemand meint eine Partnerklasse wird von allein eine Partnerklasse, der hat sich getäuscht.
Eltern, haben bewusst ihre Kinder in diese Klasse gegeben, weil sie wollen, dass ihr Kind mehr als Lesen und Schreiben lernt, sie sollen Partner werden.
Lehrer haben vertrauten Pfade verlassen und sich auf einen neuen unbekannten Weg gemacht, nicht allein, sondern als Partner.
Kinder haben in Kauf genommen nicht mit vertrauten Freunden in einer Klasse zu lernen, sondern auf sich allein gestellt, neue Kinder kennen zu lernen, Partner zu werden, Partner zu finden.
Neu war alles,
Unsicherheiten waren der Anfang,
guter Wille bei allen vorhanden.

Die erste Woche verging, manche fragten sich, wird das werden?
Die zweite Woche verging, nun kannte man schon den ein oder anderen Namen.
In der dritten Woche haben wir schon viel gelacht.
Die vierte Woche brachte Erkenntnisse und Zweifel: Jeder ist anders, aber wie sollen wir ein Ganzes werden?
Die fünfte Woche hat gelehrt, Kinder können voneinander lernen, jetzt freuen wir uns aufeinander.
In der sechsten Woche konnten Konflikte geklärt werden.
In der siebten Woche feierten wir ein Fest.
In der achten Woche war klar, jeder kann jedem helfen, jeder ist irgendwann auf Hilfe angewiesen.

Manchmal ist es bei uns sehr wild und manchmal ist es ganz still.
Eltern äußern in Gesprächen ihre Zufriedenheit und sprechen ihre Unterstützung zu.

Da wächst etwas, das keiner in der Hand hat, weil alle den Prozess achtsam beeinflussen.
Man staunt und entdeckt sich als Teil des Ganzen.
Helga Osterrieder, erstmals Lehrerin einer Partnerklasse 1c/G1 |